Die Sache mit dem Liebesbrief
von mo am 23 Apr. 2012, gespeichert unter Glaubenssache
Nachdenkliches
„Nachdem aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister.“ Gal 3, 25
In meinen Händen liegt ein Liebesbrief. „Wie schön ist es, geliebt zu werden!“ lese ich und weiter: „Ich werde dich auf Händen tragen“. In meiner Vorstellung werden die Arme lang und länger und ich schmunzle in mich hinein. Da kommt mir eine Idee: Wie wäre es, aus solchen Briefen ein kleines „Gesetzbuch“ zusammen zu stellen? Nur für den Fall, dass die Liebe verfliegt. „Du sollst auf Händen tragen!“ Oder: „Bringe das Frühstück ans Bett!“ Dann bliebe, wenn die Liebe verflogen wäre, vielleicht so etwas, wie ein lebender Haushaltsroboter. Manche Menschen fühlen sich so.
Früher habe ich in der Bibel nur die „Beziehungsberatung“ wahrgenommen. Irgendetwas hatte mich zur Überzeugung gebracht, wenn ich alle Gesetze befolge, dann ist das Liebe. Deshalb konnte ich mit dem Satz „Gott macht uns frei vom Gesetz“ auch nichts anfangen. Wenn, dann macht er mich frei von der Strafe, dachte ich. Bis dahin aber gelte es, alle Regeln zu erfassen und sich daran zu halten, das wäre dann Liebe.
Heute weiß ich: Gott will keine Erdenroboter. Er hat mich frei gemacht. Ich liebe ihn, meinen Erretter. Diese Liebe macht jedes Gesetz überflüssig. Was natürlich nicht heißt, dass ich deshalb die Bibel wegräume. Ich lerne ja meinen Gott durch jedes Wort der Bibel besser kennen und freue mich zu entdecken, was er schätzt. Wer wirft schon Liebesbriefe fort?
Konzert im Casa Verdi
von cami am 23 Apr. 2012, gespeichert unter Musikszene
Mailand – Unter der Leitung von Cami Hotea-Schulz unternahmen Violin- und Klavierschüler aus der Metropolregion zu Ostern eine Konzertreise nach Oberitalien. Zum Höhepunkt wurde ein Konzert in der Casa Verdi am 2. April. Vor dem dortigen, legendär anspruchsvollen Publikum trafen die jungen Musiker mit der Witwe des Komponisten Daniel Marinescu zusammen, der die Musik schrieb, mit der das Trio Anna-Katharina Thoma, Shirin-Aimée Schulz und Marc Lohse Erfolge feiern konnte. Frau Angela Marinescu, die selbst Musikpädagogin und Konzertpianistin ist, reiste zu diesem Zweck aus Dänemark an.
Die Auftritte in Mailand waren für die jungen Musiker beflügelnd. Es ist etwas Besonderes, im Verdihaus spielen zu dürfen – in dem Haus, das Giuseppe Verdi „sein bestes Werk“ nannte. Das Ambiente ist beeindruckend, teilweise ist das Bauwerk gestaltet vom Baumeister des Mailänder Doms. Doch alles tritt zurück hinter dem dortigen Publikum. Viele “Maestri” sind unter den Zuhörern, die auf den Bühnen dieser Welt zu Hause waren. Eine Sopranistin beeindruckte besonders, die mit 90 Jahren noch immer eine gefragte Pädagogin ist und zu der noch immer Schüler aus aller Welt pilgern.
Wie faszinierend, von Sängerinnen gefeiert zu werden, die mit Maria Callas auf der Bühne der Mailänder Scala standen oder von einer Geigerin, die gemeinsam mit Claudio Abado von dessen Vater unterrichtet wurde! Und was für ein Gefühl, am Flügel von Vladimir Horowitz zu sitzen, während über den Köpfen das Portrait des großen Meisters Verdi thront. Musikgeschichte wird da lebendig.
Die Bravorufe, die nach jeder Darbietung zu hören waren, waren Ansporn zu Höherem. Bei den Konzerten sind auch Frau Marinescu und Cami Hotea-Schulz aufgetreten. Sie durften sich über die Würdigung ihrer Mühen freuen.
Im Rahmen der Kooperation Amadé ergänzte die junge Mannheimer Bratschistin Merle Arndt das Ensamble.
Nicht mächtig. Aber ganz.
von mo am 27 Sep. 2011, gespeichert unter Glaubenssache
Nachdenkliches
„Als nun Abram neunundneunzig Jahre alt war, erschien ihm der HERR und sprach zu ihm: Ich bin der allmächtige Gott; wandle vor mir und sei fromm.“ 1 Mose 17,1
„Wandle vor mir und sei ganz!“, formuliert der jüdische Gelehrte Martin Buber in seiner sprachgewaltigen Wiedergabe des Alten Testaments und bringt damit die Bedeutung des hebräischen Textes auf den Punkt. Gott ruft dem Wanderer zu: Folge der Stimme des Herzens, sei ganz, sei authentisch. Großes soll aus dir werden! Und zwar unabhängig davon, welche Hindernisse auf deinem Weg liegen. Im konkreten Fall erscheint der Umstand, 99 Jahre alt zu sein, für den Plan, eine Familie zu gründen, äußerst widrig; das Vorhaben geradezu lachhaft. Doch der Allmächtige verheißt, das Unmögliche möglich zu machen und ermutigt Abraham, der zu diesem Zeitpunkt noch Abram genannt wurde, „ganz“ zu sein.
Was ist der Sinn der Aufforderung? Ist der ungebrochene und fehlerlose, unbegrenzt selbstsichere Mensch das Ziel der Reise? Gerade in der Selbstüberschätzung lag für Abraham die ganz persönliche Gefahr des Scheiterns. Dreimal wird berichtet, wie Abraham sich selbst hilft, statt auf Gott zu setzen und wie er damit scheitert.
Den entscheidenden Impuls erhält der Appell durch den Namen, den Gott wählt, um sich zu beschreiben. Gott stellt sich vor als Gott der Allmacht. Er kann. Auch wenn Umstände dagegen zu sprechen scheinen. Er arbeitet mit Ungeeigneten, er lässt den, der sich als Versager fühlt, durch seine Gnade heil werden. Der ganze Mensch ist vor Gott willkommen, das Feigenblatt der Verdrängung unnötig.
Wer Gott die Richtung und den Rhythmus vorgeben lässt, wird nicht nur sicher wandeln, sondern sich auch sicher wandeln. Wer im Vertrauen auf Gott wandelt, wird verwandelt, ohne sich selbst fremd zu werden. Das macht Mut, ungekünstelt zu sein, Neues zu wagen, zuversichtlich voran zu gehen und geduldig der Erfüllung der Verheißung entgegen zu sehen.
Ich kenne da einen Experten
von mo am 23 Jun. 2011, gespeichert unter Glaubenssache
Nachdenkliches – In der Stadtmitte zeigt mir ein türkisch-stämmiger Mitbürger seine Auslage. Einige der Pizzen enthalten Schweinefleisch. Darüber kommen wir ins Gespräch. Er fragt: „Sind sie Muslim?“ – „Nein, Christ.“ – „Dann sind es gesundheitliche Gründe, warum Sie kein Schweinefleisch essen.“ Der Zeitpunkt scheint gekommen, eine Bibelstunde zu halten. Er kann nicht weg laufen und ich muss sowieso warten. Also verkünde ich, dass es religiöse Gründe sind, blicke in sein erstauntes Gesicht und interpretiere das als Aufforderung, jetzt los zulegen. Ich beginne damit ihm zu erklären, dass die ersten Christen kein Schweinefleisch aßen. Als er – viel später – auch mal zu Wort kommt, stelle ich entsetzt fest, dass ich mich schon mit meinen ersten Worten in eine Schublade manövriert habe, aus der es kein Entrinnen mehr gibt. Weil er Schweinefleisch verkauft, wird der türkische Straßenhändler immer wieder von fundamentalistischen Muslimen angegriffen. Für so jemanden hält er mich jetzt auch. Extremist ist für ihn Extremist, egal ob Türke oder Christ.
Schade, denn es wäre womöglich anders gegangen. Hätte ich doch die Hauptsache zuerst genannt! Ich kenne da einen Experten in Sachen Mensch. Und das Beste ist: Er ist mein Freund! Ich vertraue ihm total, weil er sich radikal für mich eingesetzt hat. Womöglich hätte ich erzählen dürfen, was geschehen ist und vielleicht wäre darüber das Schweinefleisch in Vergessenheit geraten. Hauptsache, ich hätte mit der Hauptsache angefangen: Ich habe einen Gott, der mich liebt, der aus Liebe Mensch geworden ist und es bis zum bitteren Ende geblieben ist. Wir haben einen mitfühlenden Gott, einen Gott, der es gut mit uns meint. In allen Bereichen unseres Lebens. Gott hilft uns zu leben, im hier und jetzt, zum Beispiel durch Hinweise zu einem guten Ernährungsstil. Und in der Zukunft, wenn er sein Versprechen wahr macht, wiederkehrt und uns mit sich nimmt. Er rettet alle, die es wirklich wollen. Also das nehme ich gern für mich in Anspruch. Und du?
Euer Marc-Oliver
Das ist nun die Hauptsache bei dem, wovon wir reden: Wir haben einen solchen Hohenpriester, der da sitzt zur Rechten des Thrones der Majestät im Himmel … der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde. Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben. (Hebr 8,1; 4,14-15)
Young Generation Orchestra
von cami am 13 Apr. 2011, gespeichert unter Violinspiel
YGO! im SWR2
Preisträgerkonzert im Palatinum
von cami am 10 Mrz. 2011, gespeichert unter Musikszene
Mutterstadt – Das Preisträgerkonzert des diesjährigen Regionalwettbewerbs Jugend musiziert in der Vorderpfalz war beeindruckend. Außergewöhnlich hoch war im Vergleich zu anderen Regionalwettbewerben sowohl die Qualität der Darbietungen als auch die Anzahl der Preisträger.
Souverän und mit viel Nähe zu den Künstlern führte Christiane Schützer, die Leiterin der Städtischen Musikschule Ludwigshafen, durch die gut besuchte Veranstaltung. Alle Künstler, die 25 Punkte erzielt hatten, bekamen die Gelegenheit aufzutreten. Obwohl das Klavier stark vertreten war, wurde das Programm keineswegs eintönig. Die Tasteninterpreten spielten brilliant und brachten auch selten gespielte Stücke zu Gehör.
Höchsten Respekt verdient die Tatsache, dass in der Vorderpfalz die Förderung der Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt steht – und die Kommerzialisierung keinen Einzug in den Wettbewerb gehalten hat. Während andere Regionalwettbewerbe das Sponsoring vorantreiben, das Konzert zur Werbeplattform mutiert, kein Bild ohne Werbeeinblendung für ein regional ansässiges Unternehmen mehr möglich ist und sogar vor der Anprangerung von Förderungs-Verweigerern nicht zurück geschreckt wird, spielte Sponsoring in der Vorderpfalz keine Rolle. Wo andernorts trotz Sponsoring für die Künstler kein Geld mehr übrig ist und mancherorts – wie in Freiburg – die Wettbewerbsteilnehmer sogar zur Kasse gebeten werden, hatten die Städte Ludwigshafen und Frankenthal sowie die Kommunen der Vorderpfalz überraschenderweise sogar noch einen Geldbetrag für die Preisträger “übrig”. Das ist aller Ehren wert. Der Respekt für die hiesigen Politiker und Künstler, die diese Entwicklung begleiten, wurde unterstrichen durch die Anwesenheit von Edgar Auer, dem Projektleiter von Jugend musiziert beim Deutschen Musikrat als Ehrengast des Konzertes.
Bleibt noch den Teilnehmern des Landeswettbewerbs viel Erfolg zu wünschen!
Marc verdoppelt
von cami am 31 Jan. 2011, gespeichert unter Musikszene
Ludwigshafen – Sagenhafte 50 Punkte sammelte Marc Lohse in zwei Wettbewerben bei Jugend musiziert. Wenige Stunden, nachdem er im Trio mit Anna Katharina Thoma und Shirin-Aimée Schulz die volle Punktzahl erhalten hatte, überzeugte er bei der Solowertung am Klavier.
Während bei den Streichensembles der Kategorie “gleiche Instrumente” nur einmal die volle Punktzahl vergeben wurde, waren unter den “gemischten Instrumenten” gleich zwei Quartette erfolgreich. Das der Altersgruppe VI hatte sich erst drei Monate zuvor gebildet und spielte doch ganz außergewöhnlich: Munisha Wohlfahrt aus Bensheim, Jasmine Mai Linh Ong aus Ludwigshafen, beide Violine, Christina Strimbeanu aus Dannstadt-Schauernheim, Viola, sowie Hannah Oberlin, Birkenheide, Violoncello. Das etwas unausgewogene Klangbild ließe sich durch ein anderes Instrument bei Munisha Wohlfahrt sicherlich schnell ausgleichen, dennoch war es ein voller Genuss ihnen zuzuhören.
Besonders freute mich der Erfolg des Violoncello-Quartetts aus Frankenthal, das 24 Punkte mit Weiterleitung zum Landeswettbewerb erreichte. Herzlichen Glückwunsch an die vier Künstler und an deren Lehrer Javor Domischljarski.
Das Niveau war dieses Jahr in der Vorderpfalz erstaunlich hoch, die Streicher hatten überwiegend eine recht gute Intonation. Die heranwachsenden Jahrgänge verheißen Gutes.
Der Wettbewerb war noch besser organisiert als letztes Jahr und die Ergebnisse relativ schnell online. Chrstiane Schützer, die Leiterin der städtischen Musikschule Ludwigshafen war wie gewohnt kompetent, interessiert und hilfsbereit. Herzlichen Dank!
Zu den Ergebnissen im Einzelnen:
Gruppenwertung
Solowertung
Pretty Young Strings in der Kritik
von mo am 23 Jan. 2011, gespeichert unter Violinspiel
Frankenthal - Einen Dreispalter widmet Die Rheinpfalz der Auftaktveranstaltung der Reihe “Feierabendmusik” in Frankenthal. Ihre Kritik des Auftritts von Pretty Young Strings: “Man konnte es kaum glauben, mit welchen ausgereiften Tönen die zehn- und zwölfjährigen Geiger den Kirchenraum erfüllten. Shirin-Aimée Schulz, Anna-Katharina Thoma und Marc Lohse interpretierten Mozart fast wie Profis. In schönem Ton erblühte ein schmachtendes Adagio, intonationssicher konnte der wegen seiner transparenten Musik so gefürchtete Mozart in jeder Melodie atmen, das Rondo verband Leichtigkeit und rhythmische Präzision und in der Melodik wurde der musikalische Gehalt offenbar. Auch die vier kurzen Charakterstücke der rumänischen Komponistin Ilona Marinscu zeigten die Flexibilität der jungen Musiker: Tänzerisch im “Vals!”, mächtig mit großem Ton im Hymnus 2″, spritzig-fröhlich in “Hej!” und gekonnt im Charakterwechsel “Allegro Spirituoso” begeisterte das Ensemble die Zuhörer.” [Freitag, 21. Januar, 17, Kultur regional]
Amadé im Palais Prinz Carl
von cami am 15 Jan. 2011, gespeichert unter Musikszene
Heidelberg – Hinter einer schlichten Eingangshalle verbirgt sich im Palais Prinz Carl ein Spiegelsaal von überraschender Pracht und mit ganz hervorragender Akustik. Wer vor Veranstaltungsbeginn den Saal betrat, hatte die Chance, Sophia-Marie Schmidt zu hören, die an der Harfe mit Eleganz aufspielte. Sie begann das Konzert mit Une châtelaine en sa tour des Impressionisten Gabriel Fauré. Es folgte perfekt dargeboten Concert Scherzo von Alexander Arutiunian, gespielt auf der Trompete von Timo Maul, begleitet von Rie Shimada. Pretty Young String spielten das Adagio und Rondo aus „Musik für 3 Violinen” von W.A. Mozart sowie vier kleine, weitgehend unbekannte Musikstücke des Ende des 20. Jahrhunderts nach langer Krankheit in Dänemark verstorbenen rumänischen Virtuosen und Pädagogen Daniel Marinescu. Die drei jungen Künstler machten große Musik und erhielten lang anhaltenden Applaus. Annalena Knautz bot eine überraschend eigene Interpretation der bekannten Fantasie in d-Moll von W.A. Mozart. Den Abschluss bildete Juliana Blumenschein, die einen sehr ambitionierten Jazz-Gesang darbot, fantastisch am Steinway-Flügel begleitet von Stephan Pfalzgraf.
2 Jahre für zu langsames Singen
von cami am 12 Jan. 2011, gespeichert unter Interpretation, Violinspiel
Manila – Wer die vorgeschriebene Geschwindigkeit von 100-120 bpm (Schläge pro Minute) nicht einhält, dem droht eine Strafe von 100.000.- Pesos, umgerechnet 1670 Euro, und zwei Jahre Gefängnis. Um auf den Philippinen ungeschoren die Nationalhymne singen zu können, ist somit ein gutes Taktgefühl notwendig – oder ein Metronom.
Was für Nationalhymnen Recht ist, sollte das nicht für Hymnen billig sein? Tief greifende Änderungen in unseren Kirchen könnte das zur Folge haben, in den traditionellen, wie auch die “modernen”. Die einen würden sich leeren, die anderen verdammt, - schluck – stammt das Gesetz womöglich aus dem religiösen Kontext?
Und wenn das jetzt Schule machen würde? Wie wäre es, wenn jeder, der von der vom Komponisten vorgegebenen Geschwindigkeit abweicht, zur Kasse gebeten würde? Wenigstens als Ordnungswidrigkeit, wie beim zu schnellen Fahren? Ganz neue Einnahmequellen würden erschlossen! Vielleicht sollte man das besser der GEMA nicht erzählen. Und der Knoten im Gehirn wird noch dicker: Wird durch eine zu schnelle oder zu langsame Interpretation ein neues Werk erschaffen – gegebenenfalls als Persiflage? Muss ein Komponist, um in den Philippinen Rechtssicherheit zu haben, seine Werke mit dem Zusatz versehen: “0-unendlich bpm”?
Der typische Musiker sitzt irgendwann im Gefängnis und packt Beipackzettel in CD-Giftpackungen. Aber wer soll dann noch komponieren?