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Interpretation

2 Jahre für zu langsames Singen

von am 12 Jan. 2011, gespeichert unter Interpretation, Violinspiel

Manila – Wer die vorgeschriebene Geschwindigkeit von 100-120 bpm (Schläge pro Minute) nicht einhält, dem droht eine Strafe von 100.000.- Pesos, umgerechnet 1670 Euro, und zwei Jahre Gefängnis. Um auf den Philippinen ungeschoren die Nationalhymne singen zu können, ist somit ein gutes Taktgefühl notwendig – oder ein Metronom.
Was für Nationalhymnen Recht ist, sollte das nicht für Hymnen billig sein? Tief greifende Änderungen in unseren Kirchen könnte das zur Folge haben, in den traditionellen, wie auch die „modernen“. Die einen würden sich leeren, die anderen verdammt, – schluck – stammt das Gesetz womöglich aus dem religiösen Kontext?
Und wenn das jetzt Schule machen würde? Wie wäre es, wenn jeder, der von der vom Komponisten vorgegebenen Geschwindigkeit abweicht, zur Kasse gebeten würde? Wenigstens als Ordnungswidrigkeit, wie beim zu schnellen Fahren? Ganz neue Einnahmequellen würden erschlossen! Vielleicht sollte man das besser der GEMA nicht erzählen. Und der Knoten im Gehirn wird noch dicker: Wird durch eine zu schnelle oder zu langsame Interpretation ein neues Werk erschaffen – gegebenenfalls als Persiflage? Muss ein Komponist, um in den Philippinen Rechtssicherheit zu haben, seine Werke mit dem Zusatz versehen: „0-unendlich bpm“?
Der typische Musiker sitzt irgendwann im Gefängnis und packt Beipackzettel in CD-Giftpackungen. Aber wer soll dann noch komponieren?

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Historisch naiv

von am 03 Jul. 2009, gespeichert unter Interpretation

Eine Glosse
Heifetz und Co, aber auch diverse lebende Musiker, wie Vengerov, Mutter und Hahn – hindern Heerscharen von Musikschülern und Musikern daran den Lohn ihres Übens genießen zu können und erfolgreich zu sein. Jedenfalls würden sie, wäre er nicht endlich gefunden, der Ausweg aus der Perfektionsfalle: die historisierend naive Aufführungspraxis (Manchmal auch etwas unscharf bezeichnet als „historisch informierte Aufführungspraxis“, womit auf ihre Wurzeln in der vorsichtigen Annäherung an die Spielweise des jeweiligen Komponisten hingewiesen wird). Doch erst, seit die Masse der Musiker, Musikredakteure und Liebhaber zu Experten der Musikwissenschaft geworden sind, entwickelt sich das für die historisierend naive Aufführungspraxis typische neue Verständnis von “Musikalität”.
Gleichermaßen alle Musik jeden Zeitalters lässt sich durch die neue Aufführungspraxis veredeln, Hauptsache, man beachtet ihre Regeln: Eine verhauchte Bogenführung, die überdies den Vorteil hat, dem Künstler Unmengen an Bogenbezügen zu sparen. Kein Vibrato – was dem Schüler das mühevolle Erlernen verschiedener, kontrollierter Vibrati erspart. Auch das Aneignen der Bogentechnik ist damit obsolet, denn “historisierend naiv” ist nur die Bogenmitte. Völlig unnötig ist es geworden, einer Geige Klänge unterschiedlichster Farben zu entlocken, es reicht ein Ton und der gilt automatisch als historisch. So klingt Barock wie Romantik auch aus der Schülergeige wieder ursprünglich und echt.
Von besonderem Charme ist, dass sich das Fehlen der Geigentechnik hervorragend zur Kommerzialisierung eignet. Denn sollte sich der neue Trend möglicherweise als Sackgasse herausstellen, so bietet YAMAHAHA an, die fehlende Technik nachzurüsten. Beispielsweise durch das “Fußvibrato” – bei dem mittels Pedal der Ton der E-Geige moduliert werden kann, wobei wider erwarten häufig die Option “Heifetzvibrato” gewählt wird. Doch damit ist die historisierend naive Spielweise noch lange nicht am Ende. Im Gegenteil, sie macht auch vor den letzten Bastionen herkömmlicher Violintechnik nicht halt.
Besondere Aufmerksamkeit finden derzeit Überlegungen, die darauf hindeuten, dass auch auf die Intonation bislang viel zu viel Wert gelegt wurde. Neuere Forschungen haben nämlich ergeben, dass Komponisten nicht besonders gut hören. Abgeleitet wird diese Erkenntnis aus der Biographie Beethovens, der sich authentisch nur mit verstöpselten Ohren spielen lässt. Seit diese Ergebnisse der historisierenden Forschung von vielen Musikern umgesetzt werden, geht das Publikum in stringenter Umsetzung des historischen Sachverhaltes dazu über, auch das eigene Hörerlebnis durch das Einsetzen von Ohrenstöpseln aufzuwerten. Insbesondere Rundfunkprogrammredakteure sind von dieser Entwicklung begeistert – schraubt sie doch, nimmt man alles Wellenrauschen der Bänder zusammen und stellt es der Popmusik gegenüber, die Klassikquote in exorbitante Höhen. Kein Wunder finden sich in den Redaktionen die begeistertsten Verfechter der naiven Spielweise. Kurz, die neue Spielweise deckt alle Bedürfnisse und ist überdies leicht zu erlernen. Was will man mehr?

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Heifetz und die Bogeneinteilung

von am 01 Mai. 2009, gespeichert unter Interpretation, Violinspiel

Am Ende eines der seltenen Interviews, das Heifetz einer Jounalistin gab, fragte diese: „Haben sie darüber nachgedacht, was sie tun würden, wenn sie von jetzt auf nachher nicht mehr Geige spielen könnten?“ Heifetz überraschte die Frage. Er bat um Bedenkzeit: „Ich spiele seit meinem dritten Lebensjahr. Seit meinem sechsten gebe ich Konzerte. Geben sie mir eine Minute…“ – und sagte dann: „Etwas Gutes hätte es: Ich müsste nicht mehr über die Bogeneinteilung nachdenken.“
Diese Episode erzählte Mauricio Fuks während des Meisterkurses 2009 in Konberg über seinen Lehrer, um zu unterstreichen, dass es zwei Dinge gibt, die ein Geiger jeden Tag zu üben habe: Intonation und eben die Bogeneinteilung.

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